Erlebnisse von Wilfried Thiedau

* 19.02.1936
- Lebte in Mahlerten während des Zweiten Weltkriegs
Ich wurde im Herbst 1942 in die Volksschule Mahlerten eingeschult. Selbst wir Jungs waren von den Siegesmeldungen der ersten Kriegsjahre begeistert und sehr stolz. Das änderte sich 1943. Der Kessel von Stalingrad war verloren gegangen, und die uns begeisternden U-Boot-Siege versanken in der Atlantikschlacht.
Radar und die Entwicklung von Langstreckenbombern machten dem ein Ende. Die Bomber bombardierten nun Ziele im Reich.
Der nächtliche Alarm trieb uns Dorfbewohner hinaus in den ‘Milchweg‘. Oberhalb der Leunisstraße hatte man einen freien Blick auf das Geschehen um Hannover.
Eine 2-motorige englische Maschine wurde von einem Nachtjäger mit Leuchtspurmunition abgeschossen. Kein Flugzeug -Ein tiefer Krater im Rübenfeld, ringsherum Trümmer, die die Bombenexplosionen weggeschleudert hatten.
Wir Dörfler waren früh am Ort, später wurde das Gelände von Soldaten abgesperrt.
Einige Tage später dann der Abschuss einer 4-motorigen englischen Maschine. Das war sehr beeindruckend für die nächtlichen Zuschauer. Sie flog brennend über unser Dorf aus Richtung Westen und schlug im Waldweg vor der Lehmkuhle auf. Sie brannte aus, aber Öl und Benzin flossen den Weg am Waldrand hinunter. Brandreste fanden sich noch Wochen später bis hinunter zu den ‘Brandstücken‘.
2 Fliegersoldaten konnten offensichtlich vorher mit dem Fallschirm abspringen. Einer soll hilflos am Schirm in einer Buche in der Nähe der Absturzstelle gehangen haben. Einer wurde sitzend über der steilen Wand des nahen Steinbruchs aufgegriffen und gefangen genommen. Er stand bei Bürgermeister Bartels den ganzen Tag im Flur und konnte durch die offene Tür besichtigt werden.
Es war mein erster Engländer im Leben, den ich gesehen habe. Er trug eine blaue Fliegeruniform. Das Bild hat sich dem Jungen eingeprägt. Es tauchte später immer wieder auf bei der Begegnung mit britischen Geschäftsfreunden.
Im Laufe des Tages wurde die Absturzstelle abgesperrt, jedoch wir neugierigen Jungs konnten vorher einen Blick in den ausgebrannten Rumpf werfen und sahen die verbrannten Leichen der verbliebenen Besatzungsmitglieder. Verkohlt und geschrumpft – ein entsetzlicher Anblick!
Das Reich brauchte für die Flugzeugproduktion dringend Aluminium. Der Rumpf wurde abtransportiert und lag noch ein paar Tage an Wittenbergs Mauer gegenüber von Wedekin.
Die Flugabwehr des Reiches wurde wirkungsloser. Vor allem die Amerikaner flogen bald Tagesangriffe auf deutsche Städte, Transport- und Industrieanlagen.
Anfang 1944 wurden wir Zeugen einer heftigen Luftschlacht am Himmel. Mehrere Staffeln amerikanischer Superfestungen (große 4-motorige Maschinen mit ringsum MG-Bestückung gegen feindliche Jäger) sind auf dem Weg nach Salzgitter. Da stürzen sich deutsche Jagdflugzeuge auf den Pulk. Eine Maschine verliert an Höhe gleitet in Richtung Hildesheimer Wald und stürzt mit voller Bombenlast im Wald am Dröhnenberg ab.
Es hieß, die Amerikaner sollen sich erfolgreich gewehrt und 5 deutsche Jäger abgeschossen haben. Einen Abschuß haben wir gesehen. Der Flieger stürzte zwischen Mahlerten und Nordstemmen senkrecht herrunter in die Feldmark. Als wir dort hinkamen, lag das Flugzeug umgekehrt auf der Kanzel. Jemand hob die Tragfläche an; darunter sah man die Leiche des Piloten. Er konnte das Flugzeug nicht rechtzeitig mit dem Fallschirm verlassen oder dieser war beim Ausstieg hängengeblieben. Die zweite Tragfläche war bei Ohlendorf (gegenüber von Gesemann) in den Garten gestürzt. Sie hatte das Haus nur um wenige Meter verfehlt.
Die eindrucksvolle Ankunft an der Absturzstelle am Dröhnenberg habe ich beschrieben. Das Bild des toten Heckschützen im Leitwerk oder Schwanz der Superfestung hat sich unvergeßlich bei mir eingeprägt.
Mit der nahenden Front der Amerikaner gehörten Tiefflieger zum Alltag. Ich habe einen beschrieben.
Die Bombardierung am 22. März 1945 von Hildesheim ist bekannt und vielseitig beschrieben. Wir Dörfler in Mahlerten erlebten den Überflug unzähliger Flugzeugstaffeln bei schönem sonnigem Wetter und klarem Himmel im Garten. Heulend hilflos hatten wir das tiefe Brummen der Flugzeuge und die zarten weißen Kondensstreifen zu ertragen. Sie legten eine ungeschützte Stadt in Schutt und Asche.
Unsere Jagdflieger gab es nicht mehr, die Alliierten hatten die Lufthoheit.
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*Stimme KI generiert